Wir stehen am Eingang zur Via della Pace (Friedenstrasse). Auf der einen Seite sehen wir die Piazza Grande mit ihren Säulengängen. Auf der anderen Seite führt uns die Via della Pace in Richtung Quartiere Nuovo. Wenn wir in Richtung der Arkaden blicken, sieht man die Gebäude, in denen sich in den 1920er-Jahren das Hotel Metropol befand, wo die polnische Delegation anlässlich der Konferenz von 1925 untergebracht war.
Wenn wir nun auf die gegenüberliegende Seite blicken, sehen wir das Quartiere Nuovo, das von der Entwicklung der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeugt. Sein charakteristisches Merkmal ist die orthogonale Struktur seiner Straßen, in deren Zentrum sich die große Piazza Pedrazzini mit ihrem monumentalen Brunnen befindet. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das Quartiere Nuovo ein Gebiet mit Villen und Handwerksbetrieben, zu denen sich einige Industrieanlagen gesellten. Heute ist es viel dichter bebaut. Der ursprüngliche mediterrane Stil hat darunter gelitten.
Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete sich Locarno gerne als "Nizza der Schweiz", und so wurden entlang der breiten Strasse, die von der Piazza Grande ins Herz des Quartiere Nuovo führt, Palmen gepflanzt und die Strasse "Via delle Palme" genannt.
Nach der Konferenz von 1925 wurde beschlossen, die Straße in "Via della Pace" umzubenennen, da der Palazzo del Pretorio, in dem die diplomatischen Verhandlungen stattfanden, auf diese Straße blickt. Locarno hatte damit eine neue Bestimmung erhalten. Am 16. Oktober 1925, am Ende der Konferenz, versammelte sich eine große und gespannte Menge von Journalisten und Einwohnern Locarnos in der Via delle Palme, die heute Via della Pace heißt. Als die Unterzeichnung der Abkommen verkündet wird, erhebt sich ein tosender Applaus auf der Straße. Ein unvergesslicher Moment für Locarno.